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Es ist eine Schade, dass ich diesem Herrn nie ein Gläschen Wein spendieren konnte.
Die Rede ist von Vilfredo Paredo, seines Zeichens italienischer Ökonom, leider bereits seit 1923 verstorben.
Als Ingenieur war er zunächst in Kohlebergwerken tätig und übernahm später einen Lehrstuhl an der schweizer Universität von Lausanne. Von ihm stammt ein wirtschaftliches Prinzip, das heute unter dem Namen
80/20-Verteilung

bekannt ist.
Paredo wies nach, dass 80% des Wohlstands bzw. der Einkommen eines Landes von 20% der Bevölkerung erwirtschaft und in Besitz gehalten wurden. Dieses "Gesetz" hat auch außerhalb des Wirtschaftslebens Gültigkeit und sagt allgemein aus, dass ...
80% des Erfolgs

auf 20% des Aufwands zurückzuführen sind.
80% der Folgen stammen also aus 20% der Ursachen.
80% der Unternehmensgewinne stammen aus 20% der Produkte und Kunden.
80% der Aktiengewinne gehen an 20% der Anleger usw.

Es muss nicht immer um das Verhältnis 80 zu 20 handeln, vielleicht sind es auch:

90/10 oder
95/5 oder
99/1,

das Verhältnis 80:20 ist jedoch das mindeste.

Wie können Sie diese Erkenntnis nutzen?

Sie könnten sich folgende Fragen stellen:

1. "Welche 20% der Ursachen sind für 80% meiner Probleme verantwortlich?"

oder

2. "Welche 20% der Ursachen führen zu 80% der von mir gewünschten Folgen?" (Glück, geschäftlicher Erfolg usw.)


Ich bin seit 1978 selbständig und hatte in Deutschland eine Agentur mit etwa 120 Kunden. Als etwa Vierzigjähriger verspürte ich eines Tages Herzschmerzen. Ich hastete zu einer Apotheke, um mir irgendwelche Tropfen geben zu lassen und auf dem Rückweg kam ich an einer Arztpraxis vorbei. Dort wollte ich mir einen Termin für irgendwann später geben lassen. Doch die Ärztin war anderer Meinung!

"Mit dem Herzen spaßt man nicht" sagte mir die polnische Ärztin. Eine halbe Stunde später war ich im Krankenhaus. Dort blieb ich dann sechs Wochen!

Ich wurde medikamentös behandelt (also keine Operation), aber um definitiv feststellen zu können, was denn nun mein gesundheitliches Problem war, war ein Ganzkathedereingriff nötig. Man musste mir vom Bein aus einen Katheder bis zum Herzen schieben, um zu sehen, ob dieses einen bleiben Schaden erlitten hätte.

Doch dieser Eingriff war neun Monate lang nicht möglich.
Der Grund: Zu hohe Leberwerte.

Wo diese herkamen, weiß ich bis heute nicht (ich trinke nur ab und zu ein Gläschen Rotwein), aber das Kontrastmittel, das bei diesem Kathedereingriff eingespritzt werden musste, hätte bei diesen hohen Leberwerten nicht verwendet werden können.

Und so lebte ich ein dreiviertel Jahr mit der Ungewissheit.

Das ist lange her und ich habe heute keinerlei Herzbeschwerden mehr, doch damals brachte mir diese Erfahrung auch eine berufliche Wende.

Ich ließ mir von meiner Kontoristin alle Umsatzzahlen, aufgeschlüsselt nach Kunde, geben und siehe da:

Die meisten meiner damaligen Kunden fielen in die unproduktive Gruppe der Arbeits- und Stressversursacher. Wir waren überwiegend damit beschäftigt, es denjenigen Kunden recht zu machen, die am wenigsten zu unserem geschäftlichen Erfolg beitrugen.

Damals wusste ich noch nichts von einem Paredo-Prinzip, dennoch tat ich intuitiv das Richtige:

Ich verabschiedete mich von der Mehrheit meiner Kunden.

Übertragen Sie dieses 80/20-Prinzip auf alle Ihre Lebensbereiche. Es geht nicht darum, beschäftigt und geschäftig zu sein; dies ist meist nur unproduktive Zeitvergeudung.

Seien Sie wählerisch!

Tun Sie weniger - und seien Sie stattdessen produktiver und effektiver.

Bevor Sie den Weizen von der Spreu trennen und die unproduktiven Aktivitäten bleiben lassen, sollten Sie natürlich genau überlegen, von welchen Dingen oder Personen Sie sich verabschieden.
Dies sollte jedoch nicht mehr als ein oder zwei Monate beanspruchen.

Es ist leicht, sich in einer Flut von Nichtigkeiten zu verlieren. Doch Zeitmangen ist meist nichts anderes als unklare Prioritäten.

Ihr Steffen Mackowiak